Entscheidungen

Ich wünschte manchmal, ich besäße die Glaskugel von der man schon so oft gehört hat. Manche Entscheidungen wollen mir einfach nicht leicht fallen. Manches entscheide ich mit vollkommener Überzeugung und ein paar Tage später verstehe ich gar nicht, wieso ich so entschied. Meine akuten Emotionen spielen eine primäre Rolle – aber wie soll ich so jemals eine glasklare Entscheidung treffen, ohne sie hinter in Frage zu stellen?

Ich sitze am Schreibtisch, starre auf die Tischplatte und bin ganz woanders. Ich bin heute morgen schon aufgewacht und hatte plötzlich eine Art Widerwillen zu einer bereits vor einer Woche gefallenen Entscheidung. Woher kommt das denn jetzt plötzlich? Ich war doch zunächst so erleichtert. Und jetzt doch wieder anders? Es geht um meine finanzielle Situation vs. Meine frei verfügbare Zeit. Ich habe seit Anfang des Jahres deutlich gemerkt, dass ich weniger verdiene als zuvor, während meine Einkünfte als Yogalehrerin grade erst beginnen. Na klar – ich habe die Stunden reduziert, um mehr Zeit dafür zu haben. Das ich eine Weile weniger haben würde, war mir vollkommen klar gewesen. Aber dann quälte mich dieses Dasein plötzlich bis ins Unermessliche. Es war: zu wenig Einkünfte gegen einfach zu hohe Kosten – klar die Inflation tat ihr übriges dazu. Außerdem bin ich (vollkommen unbeirrt) in den Urlaub gefahren – woher sollte da auch ein plötzlicher Überschuss kommen? Ich hatte außerdem völlig außer Acht gelassen, dass zu Anfang eines jeden Jahres noch ein paar zusätzliche Kosten entstehen: Die KFZ und die Unfallversicherung zum Beispiel. Ich fing also an, mich immer eingeengter zu fühlen, je mehr mein Sparkonto schrumpfte.

Die kleinen Dinge

Ich habe viel darüber gegrübelt, habe mit meinem Partner sogar einen Umzug in eine kleinere Wohnung diskutiert und bei jeder Geldausgabe überlegt: Muss das sein? Kann ich das günstiger bekommen? Das führte auch dazu, dass ich meine Werte außer Acht ließ: Ich kaufte einfach das Billigste – egal in welcher Verpackung zum Beispiel. Das Vollkornbrot vom Bio-Bäcker (welches ich liebe und sehr vehement vertrete) tauschte ich gegen billige Aufbackbrötchen. Alles überlegte ich mir drei mal und bestellte ich mal was zu essen, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Ich habe es nicht geschafft, diese Gedanken und diese Enge loszulassen. Ich beschäftigte mich laufend damit und sagte auch oft, dass ich doch kein Geld hatte. Diese Enge lähmte mich. Denn alles, diese kleinen Dinge, die mir den Alltag so angenehm machen – den Cappucchino im Cafe, mal Frühstücken gehen mit meiner Mama oder die heiß geliebte Massage – klemmte ich mir. Das ging sogar so weit, dass ich über meine Mitgliedschaft im Yoga Studio nachdachte. Einen Monat trat ich auch dort kürzer – machte zwar zu Hause weiter – war aber darüber totunglücklich. Daran will ich nicht sparen, bemerkte ich ziemlich schnell. Diese kleinen Dinge machen es für mich aus. Es ist gar nicht so viel, aber das sollte schon drin sein.

Nach langem Grübeln und Gesprächen darüber entschied ich: So kann das nicht weiter gehen. Ich spürte wie viel Druck ich mir dadurch auch im Yoga Business machte und reagierte mit Lähmung. Irgendwie fühlte sich das alles plötzlich nicht mehr nach Leidenschaft und Freude an, sondern nach Müssen und Enge und Druck. Schließlich musste ich jetzt daraus Geld machen und zwar schnell. Ich presste To-Dos in meine Listen und erlegte mir selbst völlig blind Schichten zum arbeiten auf – obwohl ich gar nicht recht wusste welches Ziel ich damit verfolgte. Ich sollte voran kommen, musste schneller machen. Tat nicht genug. Ich brauchte schließlich Geld. Also noch mehr Druck, noch weniger Genuss.

Balance

Also muss ich wohl eine Balance finden und schaffe Abhilfe, indem ich auf der Arbeit nach mehr Stunden frage. Als ich mir bewusst mache, dass sich quälen nicht in mein Schema passt und ich mir alles im Leben einfach möglichst angenehm machen möchte, platzt ein kleiner Knoten und ich finde die Idee, mehr Stunden zu arbeiten super. Ich bin damit zufrieden, sogar stolz und kurzfristig voll glücklich. Endlich ist diese Enge weg. Und weil ich weiß, dass ja bald ein wenig mehr rein kommt, lebe ich schon jetzt wieder so, als wäre bereits mehr Geld geflossen. Ich kaufe den Cappu und gehe zur Massage. Darüber freue ich mich dann wie Bolle. Ich gebe einen Yoga Workshop und kann nicht fassen, wie toll das ist. Damit darf ich jetzt Geld verdienen? Hammer! Alles dafür entsteht aus Leichtigkeit und Zuversicht. Lösung gefunden.

Und dann plötzlich geht mir auf, dass ich weniger flexibel sein werde. Ich will diese Freiheit nicht wieder aufgeben. Will lieber mehr für meine Selbstständigkeit machen, dort mehr verdienen und Zeit investieren. Diese so gestalten, wie ich möchte. Will ich also doch den Preis zahlen? Rudere ich wieder zurück? Einen Augenblick lang ganz eindeutig: Ja. Dann kommen die Zweifel: Aber was mache ich, wenn dann diese Enge zurück kehrt? Wenn ich mir diese Kleinigkeiten dann doch wieder nicht kaufen kann? Wenn ich ans Ersparte muss und zusehe wie es schrumpft. Fange ich dann wieder von vorne an? Wie bleibe ich meiner Entscheidung treu?

Was kann ich also tun, damit es mir Entscheidungen leichter fallen?

  1. Eine Pro- und Contra-Liste anfertigen
    • –> Die Fakten auf ein Blatt Papier zu bringen hilft uns, in das gedankliche Chaos ein wenig Struktur rein zu bringen. Dies können wir zumindest als Teil zur Entscheidungsfindung zu nutzen.
  2. Darüber schlafen oder meditieren
    • –> Beides geht natürlich auch. Wir stellen uns die Frage einmal vor dem Zu Bett gehen oder vor dem Meditieren bewusst und lassen sie dann los. Wir beschäftigen uns gedanklich nicht mehr damit. Die Antwort entsteht vielleicht ganz von allein.
  3. Mit jemandem darüber sprechen
    • –> Die Gedanken mit jemandem zu teilen hilft uns, auch für uns nochmal zu formilieren wo das Problem liegt und was wir genau denken
  4. an den Werten orientieren
    • –> Was sind meine Werte und wie kann ich diese ausleben – je nachdem welche Entscheidung ich treffe. Ich z.B. vertrete Werte wie Lebensfreude, die für mich durch diese Kleinigkeiten entstehen. Aber auch Freiheit ist ein wichtiger Wert für mich. Hier muss ich abwägen, wie sich die Freiheit dann mit weniger Geld anfühlt. Leider ist nicht alles schwarz und weiß.
  5. An den Zielen orientieren
    • –> Welche Ziele möchte ich kurz- und langfristig erreichen? Wie werden mir die zur Auswahl stehenden Entscheidungen dabei helfen, diese Ziele zu verfolgen? Auch hier kann das durchaus tricky sein, denn für mich beispielsweise ist ein Ziel, freier zu arbeiten. Dies realisiere ich vielleicht nicht, wenn ich durch finanzielle Enge wie gelähmt bin. Womit ich zu folgendem Punkt komme:
  6. Verantwortung übernehmen
    • –> Wie auch immer meine Entscheidungen und zugehörige Verhaltensmuster aussehen: ich übernehme die Verantwortung und arbeite mit allem, was darauf folgt. Sprich, ich kann auch hier an mir selbst und meinen Mustern arbeiten, bin dem nicht ausgeliefert.
  7. nicht in Schubladen denken
    • –> gibt es vielleicht noch andere Alternativen, weitere Möglichkeiten oder eine goldene Mitte?

Sich selbst zu erlauben, auch mal Fehler zu machen oder etwas falsches zu entscheiden, ist total befreiend. Eine ehemalige Arbeitskollegin hat mal auf mein: Was ist, wenn es die falsche Entscheidung ist?“, gesagt: „Wenn es die falsche Entscheidung ist, dann kannst du sie wieder ändern. Und wenn du sie nicht ändern kannst, dann ist es auch nicht falsch gewesen.“ Damit vertraue ich darauf, dass alles so kommen wird, wie es soll – auch wenn ich das vielleicht noch nicht gleich erkennen kann. Und diese Sichtweise ist so leicht und friedlich. Probier sie mal an, vielleicht schenkt sie dir auch ein bisschen Gelassenheit.

P.S. Wie meine Entscheidung ausgefallen ist? Ich habe zuerst entschieden, mir hier noch ein paar Tage einzuräumen und einfach mit dieser Unsicherheit zu sein. Ich werde nach einer guten Yogaklasse in der Stille wissen, wie ich entscheide. Aber natürlich habe ich schon eine Tendenz: Manchmal muss man an sich selbst glauben, um seine Träume zu verwirklichen 😉

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